Kunst und Kultur

In Kirenge wird nicht nur gelernt, gefeiert und gearbeitet, wir bemühen uns auch um die schönen Künste!

So hat M. Juvenal auf mein Drängen hin im Dezember eine Flötengruppe gestartet. Das funktionierte so: Er drückte jedem werdenden Künstler eine (importierte ) Plastikflöte in die Hand und dann sangen alle gemeinsam ein Lied. Anschliessend marschierten die Flötisten überall über das Gelände und versuchten sich zum Leidwesen der (Zwangs)Zuhörer darin, Töne zu produzieren. (Manchmal ist es von Vorteill, schwerhörig zu sein : man kann das Hörgerät ausstellen). Fortan ertönten vor und nach dem Unterricht, in den Pausen, auf dem Heimweg, an vielen unvermuteten Stellen in Kirenge, mehr oder weniger erkennbare Melodien. Man erkennt die Flötisten während der Ruhephasen an aus Hosen-  oder Blusentaschen herausragenden Flöten! 

 Und siehe da, im April hatten sie einen ersten Auftritt, es klang wirklich wie Musik, was sie produzierten und sie waren sehr stolz. (Ich rätsele immer noch, wie Juvenal das gemacht hat, ganz ohne Noten).

Seit Aniceto den Flötisten eine „Uniform“ versprochen hat, ist der Andrang zur Gruppe stark gestiegen, hört man.

Auch unser Chor, die Tambours (nachdem sie ihren Muskelkater in den Oberarmen und Schultern überwunden hatten) und die Tanzgruppen der Grossen und Kleinen können sich hören und sehen lassen. 

 Über die Theatergruppe habe ich ja schon geschrieben, ihre sehr moralischen (selbstgeschriebenen) Stücke werden durch „Slapstick“ und andere humoristischen Einlagen gerettet. 

 Die bildenden Künste kommen auch nicht zu kurz. M.Calixte gibt auch „Calligraphie“ und lässt die Kleinen mit Faserstiften vorgegebene Motive malen, die Grösseren benutzen Bleistifte. Seit kurzem werden auch Figuren aus Ästen oder Draht mit Bananenblatt-Bekleidung hergestellt. 

 Die Mütter und jungen Frauen, die an der Schule arbeiten, stellen Schalen her: ich besorge die einheimischen Naturmaterialien und für jede fertige Schale gibt es 500 FRW. Noch kann man den Übungscharakter erkennen, aber die Sachen werden immer besser! 

 

Autokauf (Rwandisch)

Im März 2014 las ich auf einem Schild, dass die Bauarbeiten der Firma STRABAG – die eine Strasse von Kigali nach Gatuna ( Uganda ) baute , im Juli beendet sein würden. Ich überlegte, dass die Firma dann wohl einige ihrer Fahrzeuge verkaufen würde. Also setzte ich mich mit den Verantwortlichen in Verbindung. Die Antwort war durchaus positiv, aber man teilte mir mit, dass das Ende der Bauarbeiten voraussichtlich im Dezember sein würde.

Im Dezember verschob sich der Termin nochmals auf Ende Februar, dann bot mir Herr Krieg einen Toyota Hillux, Baujahr 2003, 508.000km Laufleistung für 2.000.000 FRW (2250€) an. Die Unterzeichnung des Kaufvertrages verschob sich noch ein wenig, weil“ noch Kleinigkeiten gemacht werden mussten“, aber dann, am 24.2.2015 war es soweit: Die Schule hatte (fast/sozusagen/ beinahe) ein fahrbereites Auto. „Fast“ weil das Fahrzeug auf einer IT Nummer lief, also nach Rwanda noch nicht importiert war. Die Papiere aller Fahrzeuge von Stabag lagen bei der Firma „Interfreight“ , die gegen eine Gebühr von 123.000 FRW auch die Ummeldung vornehmen wollte. Mitte März kam der Bescheid, dass auf das Fahrzeug 1.493.530 FRW Zoll und Tax zu bezahlen seien. Aniceto und ich machten uns also frohgemut auf, um zu bezahlen und den Wagen abzuholen. Bezahlen durften wir, abholen noch nicht, weil erst die Schecks überprüft werden mussten und der Zoll die Papiere signieren musste. Ende März erreichte uns die Nachricht, dass noch etwa eine Million FRW zu zahlen seien, weil das Fahrzeug „undervalued“ gewesen sei.

Nachdem ich mich eine Woche von dem Schreck erholt hatte, machte ich mich immer noch zornig erneut auf den Weg nach Kigali, um herauszufinden was an einem 13 Jahre alten Baustellenfahrzeug undervalued sein könnte.

Herr Schmitz von „Interfreight“tröstete mich und meinte, dass der Zoll immer versuchte, noch mehr Geld rauszuschlagen. Ich marschierte also zum Zoll, wo mir eine nette junge Dame erklärte, sie habe sich das Auto angesehen und den Wert auf etwa 10.000.0000 angesetzt. Ich suchte also – immer noch überzeugt, es könne sich nur um einen Irrtum handeln – die nächsthöhere Instanz auf, wo man mir versicherte, der Wert habe seine Ordnung , ich könne mich aber an den Commissioner wenden.

Also machte ich Fotos, wies auf Alter und Arbeitsleistung hin , betonte, dass der Wagen zum Bau des neuen Kindergartens benötigt würde (der alte soll ja wie beschrieben der neuen Strasse zum Opfer fallen), dass  

 die Schule von Spenden lebt und kein Geld hat……und fuhr wieder nach Kigali, um den Commissioner zu treffen.Der hatte die Verabredung wohl vergessen, sollte aber um 16.00 Uhr kommen.Also warten. Nach einer Stunde tauchte er auf, hatte aber ein dringendes anderes Gespräch. Ich gab meine Papiere der Sekretärin und wollte gerade gehen, als Mr. Marc auftauchte, der Secretaire Executive des Commissioners. Er empfahl mir , ihm nocheinmal alle Unterlagen einschliesslich Kaufvertrag und anderer Papiere zukommen zu lassen, dann würde man sehen.

Also wieder zu Interfreight, Papiere kopiert, nach Kirenge, alles von vorne und dann eine Woche später Kigali, Customs Offices. Inzwischen war es Ende April. Ich gab mein Bündel ab, schüttelte dem Commissioner und dem Secretaire Executive warm die Hand und kehrte nach Hause zurück.

10 Tage später rief ich an, ob sich etwas getan hätte und Mr. Marc versicherte mir fröhlich, ja es gebe ein Antwortschreiben – leider habe er vergessen zu schauen, wie hoch die Summe noch sei, ich könne aber den Betrag überweisen. Wieviel allerdings und wohin konnte er nicht sagen.

Also, nächste Gelegenheit wieder Kigali, Brief bei der Sekretärin abgeholt und einen Blick daraufgeworfen: Zunächst las ich 2.567.897 FRW und entwarf schon ein Szenario, wie ich das Auto wieder verkaufen könnte. Dann dämmerte es mir, das dieses die Summe war, die den neuen Zeitwert angeben solle und dass davon die Steuern und Zoll zu bezahlen sei. Mein Puls beruhigte sich wieder etwas und als man bei Interfreight dann ausgerechnet hatte, dass noch rund 500.000 Franc zu bezahlen seien , waren Aniceto und ich fast glücklich. Mitnehmen konnten wir das Auto allerdings immer noch nicht – obwohl das dringend nötig gewesen wäre, weil der Jimmy, das einzig noch vernünftig fahrbereite Auto (eigentlich Zweisitzer, aber in Kirenge als Fünfsitzer eingesetzt) bei einem Auffahrunfall als Sandwich-Auto zwischen einem Hühnerfutter-Laster und einem grossen Toyota geendet hatte und nicht abzusehen ist ob und wann er repariert werden kann. (das ist eine neue rwandische Geschichte!).

  Also: nachdem die Versicherung bezahlt ist, die Technische Überprüfung einige Mängel (ich frage mich, welche?nach der Reparatur bei Strabag) gefunden hatte – die jetzt behoben sind (wer da wohl was verdient hat?), alle Papiere dort sind wo sie zu sein haben, jetzt könnte Aniceto das Auto heute abgeholt haben (nur drei Monate nach Kauf) aber heute geht es nicht, weil kein Auto da ist, um nach Byumba zu fahren um von dort einen Virunga nach Kigali zu nehmen. Nun gut, also Donnerstag! (Allerdings müsste ich dann eigentlich zum Immigration Office,um mein Visum zu erneuern. Nach meinem ersten Besuch dort bahnt sich – fürchte ich – ein neues rwandisches Drama an) Schaun mer mal!

Das Autist nun seit drei Wochen bei uns, das heisst, es ist eigentlich in der Werkstatt: die Hupe tuts nicht, die Handbremse blockiert, die Gänge springen raus, die Motorhaube öffnet sich während der Fahrt, der Anzeiger für die Wärme des Motors bleibt bei Null…….. ( Welche „Kleinigkeiten“ Strabag da wohl repariert hat?) 

 

Namenstage

Der Namenstag von „St. Jean Baptiste de la Salle“ ist am 15. Mai und wird mit einem Fest begangen . Bei uns ist das ein besonderes Essen (mit Schaf) und seit zwei Jahren der Marathon. 

 

Der war auch in diesem Jahr wieder ein Grossereignis , etwas besser organisiert als im letzten Jahr. Ameisen, Hasen, Grillen, Gazellen , Cheetahs: alle gaben ihr Bestes.

 
Die Hippos (Arbeiter, Papas, Angestellte) und Lionesses (Mamas der parrainage, Angestellte) sollten eine Woche später laufen – das wurde aber noch einmal verschoben wegen heftiger Regenfälle. Weil die ältesten Teilnehmer/innen über 60 Jahre alt sein würden und die jüngsten 20 Jahre, machten wir vier Gruppen mit unterschiedlich langen Laufstrecken und durch verschiedene Farben gekennzeichnet.

   

Für die Hippos gab es als ersten Preis je eine „saluprette“ (Blaumann) und für die Lionessen eine „panje complet“ (2 Stoffbahnen , ausreichend für einen Wickelrock).

Und natürlich gab es eine Tombola! (das ist nun mal der beste Weg, alle gespendeten Sachen relativ gerecht zu verteilen : nicht passende Grössen werden getauscht, alles andere wird getragen.

  

  
Hauptpreis war ein Stierkalb und das traf wieder einmal die richtige Person: Mama Nyianmarama ist HIV positiv, schwerst gehbehindert und hat zwei kleine Jungs an der Schule und erwartet gerade das dritte Kind. Sie ist erst 25 Jahre und versucht wirklich so gut zu arbeiten wie sie kann. Zunächst war sie nicht sehr glücklich, weil ihr Mann sehr schnell verkündete, das er das Kalb verkaufen wolle.(und das Geld aller Voraussicht nach für sich ausgeben wolle).

Daraufhin schlugen wir der Mama vor, dass M. Gasana, der auf der Farm arbeitet , in ihrem Beisein das Kalb verkauft und die Schule dann ein Konto für sie eröffnet, wo sie nach Bedarf Geld abholen kann. Das hat ihr gefallen und jetzt ist sie um 125.000 FRW reicher. Ein unerhörter Betrag!.

Information

Wenn Ihr in die Suchmaske auf meiner blog-Seite -Erfreuliches -Missliches -Promenade eingebt, erscheinen drei neue blog Beiträge von denen es mir nicht gelungen ist, sie richtig zu platzieren!Geht auch, wenn man in der Kopfzeile auf die jeweilige Überschrift klickt.  Viel Spass

Infirmerie

In Deutschland haben wir nur noch wenige Vorstellungen, welche Folgen mangelnde Hygiene zusammen mit wuchender Natur haben kann.

Wir haben an der Schule eine kleine Krankenstation – dank der Hilfe nachdenklicher Menschen relativ gut ausgestattet – und jeden Tag gibt es neue Entdeckungen bezüglich Geschwüren, Schwellungen, Wucherungen jeglicher Art.
Morgens nach der „Assembly“ komme ich mir vor wie der Rattenfänger von Kirenge: Ich sehe ein Kind, das nach meiner Meinung eine Behandlung nötig hat und auf dem Weg zur „infirmerie“ schließen sich uns viele Kinder und auch Mamas und Papas vertrauensvoll an.  

 Nicht alle brauchten wirklich erste Hilfe, aber vor allem die Kinder brauchen offensichtlich Zuwendung und so fliesst das Desinfektionsmittel und Pflaster werden geklebt, dass es eine Freude ist. (viele Pflaster haben allerdings nur eine sehr kurze Halbwertzeit, weil man ja auf dem Weg zum Unterricht mal nachsehen muss, was so darunter ist.)

Zur Zeit haben wir einen Masernausbruch und die größte Schwierigkeit besteht darin, den Kindern und den Müttern klarzumachen, dass die Kranken zu Hause bleiben müssen, bis die Pusteln verheilt sind: jeden Morgen stehen sie – mehr oder weniger angeschlagen – auf dem Hof inmitten der anderen Kinder und warten auf Behandlung.  

Es sind viele Schnittwunden zu behandeln, manche sehr tief und an komplizierten Stellen an den Füßen. Pflaster halten dort eher nicht und so ist es nötig, eine Socke oder ein abgeschnittenes Stück Einmal-Handschuh darüberzuziehen. (Der Kampf, den es kostet die Socke zurückzubekommen, würde einen eigenen Block füllen)

  Viele Kinder und auch Mamans und Papas leiden an Parasiten auf der Haut oder im Körper. Meine  Kenntnisse der verschiedenen Wurmarten haben sich sehr verbessert : Hakenwürmer, Peitschenwürmer, Bandwürmer,Spulwürmer….. tummeln sich offensichtlich überall und dann auch im Magen und verursachen Krämpfe, Übelkeit und Durchfall. Gegen leichten Hakenwurmbefall hilft Saft aus gekochtem Knoblauch – wobei ich nicht weiss, ob die Patienten nach einmaliger Einnahme nicht wiederkommen, weil es so gut geholfen hat oder weil es nicht so gut schmeckt.

Bei Husten dagegen weiss ich, dass der sprunghafte Anstieg von Hustengeräuschen und die stetige Verlängerung der Warteschlange etwas mit dem guten Fenchel-Honig Hustensaft aus Deutschland zu tun hat!  

 Jetzt zu Beginn der Regenzeit sind Erkältungskrankheiten „der Renner“ , verstärkt -vor allem bei Frauen und Kindern – durch den Rauch des feuchten Holzes an der Kochstelle (ruandische Häuser haben keinen Kamin, das Feuer mit den drei Steinen für die „casserole“ befindet sich im Wohnraum). Das ist einer der Gründe, warum wir eine mobile Biogasanlage installieren wollen – noch fehlen dafür etliche Euro – aber das wird schon werden.

Besonders ekelhafte Parasiten, die wohl nachts zuschlagen, wenn die Menschen auf der Erde schlafen, verursachen ernsthafte Geschwüre, die sehr tief gehen und wo nur Antibiotika helfen, obwohl ich kein großer Freund davon bin. Viele Kinder haben auch Geschwüre auf dem Kopf -deshalb werden alle Haare so kurz geschoren – oder scabie (Krätze), wo ich leider nur die Symptome behandeln kann, nicht die Ursache (mangelnde Sauberkeit zu Hause und fehlende Körperhygiene).

Ohne die Hilfe der Freunde aus Deutschland , ohne Ihre Medikamentenspenden oder Spenden von „pansement“ (Verbandsmaterial), würde unsere Krankenstation ziemlich „alt“ aussehen.

Seitdem sich herumgesprochen hat, dass es manchmal auch Hilfe für ernsthaft beeinträchtige Kinder geben kann (nicht in jedem Fall, dafür reicht das Geld nicht – besonders geistig  Be- einträchtigte haben es in Rwanda noch schwerer als andere Kranke, für sie gibt es kaum angemessene Hilfe oder Schulen.) – kommen auch immer häufiger Eltern mit körperlich behinderten Kindern.  

 Manchmal ist noch Geld da, um ihnen beim Transport nach Kigali zu helfen, aber viel mehr ist meistens nicht zu machen. Für sieben Kinder haben wir immerhin eine „parrainage“ die Schulgeld für die Taubstummenschule oder die Körperbehinderten Schule aufbringt, das hilft.

Immer noch erfreulich!

Da wir denken, dass das viele Geld für die „bourse“ an der VTC besser in Kirenge angelegt werden sollte, planen wir für das nächste Jahr drei oder vier Klassen eigene VTC. Der Verein „Friedenskinder “ aus Neuhäusel hat mir 5.000 € gegeben, mit denen wir schon eine Zisterne gegraben haben und einen Schweissapparat gekauft haben.Also werden wir eine „welding“ Klasse aufmachen – aber nur, wenn die Handschuhe, die Gesichtsmaske und die dunkle Brille aufgesetzt werden, bis jetzt halten das die einheimischen Experten noch für Blödsinn.

  

Mexiko hat das Geld für einen kombinierten Gas-/Elektroherd gegeben – damit wird die „hotellerie-Klasse “ bestückt. Zur Zeit steht der Herd noch im Erste-Hilfe-Raum, wo er besser bewacht werden kann. Nora und Ihre Mama (die Eltern sind über Ostern zu Besuch) haben mit der Küchencrew schon den ersten jemals in Kirenge gebackenen Rührkuchen hergestellt – sie hatten anschliessend nur das Problem (das Wunder vom See Tiberias hat sich nicht wiederholt) wie sie einen Kuchen unter zweihundert Anwärter verteilen sollten – er roch aber auch wirklich zu gut!

  Der Verein „Intombi“aus Köln stiftet Nähmaschinen und Frottee Stoff, da können wir anfangen, Damenbinden zu nähen und später vielleicht die Schuluniformen.

Eine Elektrikerklasse ist geplant und später einmal eine „buisiness-Klasse“, wo man lernen kann, sich mit Namen zu melden, wenn man telefoniert und einen Brief mit lesbarem Namen zu versehen, damit der Empfänger weiss, von wem er ist.

Zum Weltfrauentag gab es eine Tombola nur für Mädchen und Frauen (man konnte Jelly, Päckchen mit Waschpulver, Tomatenmark, Petroleum Oil , Streichhölzer, LipGloss!!, Päckchen mit je 1Pfund Zucker, Seife und Babyöl gewinnen. 

Jedes Los gewann – Streichölzer allerdings mehr als Seife!  

Nach der Tombola gab es Tänze und dann ein Theaterstück, in dem gezeigt wurde, dass auch Mädchen Erfolge in der Schule haben können (sic!!) . Die zuschauenden Mamas waren ganz fasziniert!

  

Neben der Seifenproduktion haben wir eine neue Verdienstquelle für die Mütter aufgetan: mit einer Spende aus Bayern konnte ich Naturmaterialien kaufen und die Frauen haben angefangen  bei Regen traditionelle Körbe herzustellen. Die Technik drohte verlorenzugehen und so haben wir angefangen zu arbeiten und die Ergebnisse werden schon ganz gut.(Leider gehen dabei viele Nadeln „verloren“ – auf Dauer ein teurer Spass!)

  

Unsere Tanzgruppe wird immer besser, sie müssen immer ran, wenn Gäste kommen oder zu Feiertagen. Es macht ihnen Spass und mit den neuen Tanzroben sieht die Sache nochmal so gut aus!

  

Der schöne Kopfputz ist übrigens aus Toilettenpapier!

INKA (Kuh)

Inka (Kühe)

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Wie ich schon einige Male geschrieben habe, haben Kühe für rwandische Menschen eine ganz besondere Bedeutung. Am Königshof gab es sogar eine eigene Hütte für die Milchzubereitung . Auf Kühe wurden und werden Gesänge erfunden, Gedichte geschrieben und Tänze getanzt. Rwandische Kühe sind in der Tat sehr schöne Tiere, in der Regel braun-schwarz mit mächtig ausladenden gebogenen Hörnern.Bild

Sie geben leider nicht viel Milch, weshalb nun jeder bestrebt ist , eine Kuh mit friesischem Einschlag zu haben.

Aber Kühe sind sehr teuer und aufwendig in der Haltung, so haben hier in den collines nicht viele Menschen eine Kuh und schon gar nicht eine so wohlgenährte und gepflegte wie wir  an der Schule.

BlogleserInnen werden sich erinnern, wie ich im März über die Ankunft der (geschenkten) Kühe Mona Lisa und Mosella mit ihren Kälbern berichtete.

Bei Mosella muss  der gute Abbé Emmanuel beim Blick in die Papiere seine Brille verloren gehabt haben: sie hatte wohl ein Kalb (Moselitta!), aber das war definitiv das letzte. Sie war, wie Aniceto sagte in der „Menopausia“, und gab nur noch 2l Milch täglich, frass aber wie eine ganze Herde.

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In solchen Fällen lautet die Lösung in „La Salle“ „Tombola!!!“. Aber eine Kuh als Hauptpreis? Unerhört!

Doch die Idee nahm langsam Gestalt an. Ich gestaltete (fälschungssichere und kopiergeschützte)Tickets, Aniceto rührte die Werbetrommel, die Anzahl der zu gewinnenden Preise wurde nach und nach erhöht, es gab: eine Kuh, ein Schaf, ein Kaninchen, fünf Fahrräder, ein „rocket oven“(energiesparsam), und einen aus Mexico geschickten Schal für jedes Kind mit Ticket.Bild

 

Da ein Ticket 1.000FRW (einen Tageslohn) kosten sollte, lief der Verkauf zunächst schleppend, aber nach zwei Monaten hatten fast alle Kinder (mit ihren Eltern),alle Lehrer (die an den Fahrrädern interessiert waren) der Vorsteher des Secteurs, M. Eugene, drei Brüder aus Buymba und natürlich alle Mitarbeiter der Schule, Rolf, Madleine , Lena und ich ein Ticket.

Ich weiß nicht mehr, wie oft wir die Tickets kontrolliert haben, mal waren  zuviel im Umlauf, mal zu wenige, aber am großen Tombola-Tag stimmte alles und so konnte das Fest beginnen.

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Es war ein Samstag, so starteten die Feierlichkeiten um drei Uhr nach der Schule mit einer Messe, danach präsentierten die Mädchen aus S1und S2 aufgeregt ihre Erlebnisse im Akagerapark (in Kinyarwanda und Englisch) und dann war es endlich soweit : Aniceto kündigte die Verlosung an:

 

Die Spannung war fühlbar, es wurde muksmäuschenstill (eine ziemliche Leistung bei fast 500 Anwesenden!), doch zunächst bekamen alle Kinder mit Ticket einen Schal. M. Rubayitas Buchführung stimmte!

Dann gewann Rosie aus der Bücherei zu ihrer Verwunderung den „rocket oven“ und dann wurde Aniceto „gemein“: die fünfte (nicht die erste! ) gezogene Nummer sollte das erste Fahrrad gewinnen. Endlich die fünfte Nummer: 131.Bild

Niemand meldete sich. Aniceto wiederholte sie mehrmals, sie wurde ins Kinyarwandische übersetzt: nichts! Im Hintergrund suchten die Helfer hektisch im Ticketbuch nach dem Eigentümer des Tickets und gerade, als Aniceto das Ticket aus dem Verkehr ziehen und ein anderes Los ziehen lassen wollte, hatten sie ihn gefunden: le Frère Aniceto!!!. Es war ihm ein wenig peinlich, aber er konnte sein Ticket dann nach einigem Suchen vorweisen und so bleibt das schöne blaue Rad im Besitz der Schule und wird bei Transportnotfällen an die Lehrer ausgeliehen.Bild

Das Kaninchen wurde verlost – begleitet von Seufzern der Enttäuschung der Verlierer, das Schaf fand neue Besitzer, vier weitere Fahrräder lösten Jubel aus und dann: …….

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Es galten neue Regeln: das 10! Los sollte Mosellas sein. Hektisches Suchen in den verschiedensten Kleiderfalten nach den Losen, jeder setzte sich gerade, Aniceto gab sein Bestes um Spannung zu erzeugen, kollektives Ausatmen bei jeder der neun Nummern, die nicht gewonen hatten und schließlich: 408, fourhundred and eight, quattre-cent-huit, maganane n‘umumani !

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Für einen Augenblick hielten alle Menschen den Atem an, dann blickten alle auf ihr fest in der Hand gehaltenes Los, dann begannen sie,die Hälse zu recken und umher zu schauen: wer war der / die Glückliche? Einen quälend langen Moment geschah nichts, dann erhob sich ganz entfernt in der Ecke Maman Rose, deren Haus im letzten Jahr nach heftigem Regen zusammengefallen war und deren Mann nach der Geburt von Modeste, dem jüngsten Sohn verschwunden war. Sie kam wie in Schock nach vorne und als Applaus aufbrandete begann sie zu strahlen und zu tanzen.Sie sagte immer noch nichts, aber sie tanzte immer weiter und es gab viele Leute, die sich mit ihr freuten.

Sie bestand darauf, Mosella mitzunehmen, obwohl es schon dunkel wurde und ich nicht weiß, wo sie sie untergebracht hat oder was sie ihr zu fressen gegeben hat. So zog sie mit einem beträchtlichen Tross aufgeregter Dorfgenossen singend und tanzend durch Kirenge. Ein Herr tat sich im Tanzen besonders hervor, er umsprang die Kuh und bestand darauf, sie mit Hilfe eines „batons“ (Stock) zu führen. Maman Rose folgte, immer noch benommen vor Glück, hinterher. Auf Fragen erfuhr ich, dass es sich bei dem tanzenden Herrn um den verschwundenen Ehemann handelte (siebter Sinn?). 

Ob diese Tatsache auch noch zu Maman Roses Glück beigetragen hat, kann ich nicht beurteilen.

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